Tourenprogramm

Hochtour Geltenhorn-Arpelistock 3065 m

Etwas ungewohnt für eine Hochtour trafen wir uns erst am Samstag gegen Mittag auf dem Zug Richtung Gstaad, wo wir dann mit dem Postauto zum Lauenensee fuhren. Selina, Anna und Jonas kamen von Bern her, in Thun stiegen Damian, Nina und Caroline zu. Unser Tourenleiter Jonas fand, wir seien dieses Wochenende ein sozialer SAC, da wir nun die «randständigen» ganz im Westen des Kantons Bern besuchen würden. Während der Anreise konnte auch Nina gut in die Gruppe integriert werden, welche dieses Wochenende mit uns zu Gast war, sie gehört nämlich dem SAC Blüemlisalp an (Nei Spass, schön bisch mitcho! 😊). Zudem erzählte uns Jonas, dass wir vielleicht einen von seinen zurückgelassenen «Friends» (mehr dazu später) auf der Tour wiederfinden könnten.

Gemeinsam nahmen wir den 1.5h Hüttenzustieg via Chüetungel in Angriff. Weder unser Erwartung war der Himmel etwas bewölkt, aber wir waren gerade froh, nicht an der prallen Nachmittagssonne hochzuwandern. In der Hütte angekommen, hatten wir vor dem Abendessen noch genügend Zeit, um uns gegenseitig etwas besser kennenzulernen, den ersten Durst zu löschen sowie die Seiltechnik vom Anseilen und Sichern zu repetieren. Die sorgfältige Tourenplanung für den Sonntag wurde noch mit der Hüttenwartin Susanne besprochen und wir gingen alle vorfreudig im Zimmer «Arpeli» schlafen.

Sonntags um 4.30 Uhr klingelte unser Wecker, sodass wir nach dem Frühstück ca. um 5.15 mit Stirnlampe starten konnten. Jonas hat uns leider zu viel versprochen, er meinte wir werden die berühmten Yaks im Dunklen von Nahem sehen… dem war leider nicht so. Dafür konnten wir die erste Stunde vom Aufstieg Richtung Geltenhorn mit einem wunderschönen Morgenrot sowie gesichteten Steinböcke auf dem Grat (oder vielleicht doch Yaks oder Kamele? Da gab es einige Uneinigkeiten im Team…) im Rücken in Angriff nehmen. Für dass es bereits September war, waren die Temperaturen sehr mild. Der Weg war gespurt Richtung Arpelistock, sodass es keine Probleme mit der Wegfindung gab. Wir wussten, dass wir die Abzweigung Richtung Geltenhorn nicht verpassen durften, da waren wir froh, dass es bereits etwas Tageslicht gab. So konnten wir den Steinmandli entlang folgen, bis zum Fusse des deutlich zurückgegangenen Gältegletscher. Da wir nicht die Variante über den Ostgrat gewählt hatten, war hier der Moment gekommen, um an Jonas vor 4 Jahren zurückgelassenen «Friend» zu gedenken, welcher von seinem Kolleg etwas ungeschickt in einer Felsspalte platziert wurde (zur Klarstellung: Klemme zum Klettern = kein Mensch). Wir haben bemerkt, dass der Trennungsschmerz von seinem 85-frankigem Freund für Jonas immer noch tief sitzt. Er konnte aber das schwierige Thema etwas beiseitelegen, weil er gesehen hatte, dass sein Freund dort oben viel Sonne abbekam. Und so konnten wir den eher kurzen Teil auf dem Gletscher in Zweier-Seilschaften in Angriff nehmen. Selina und Anna übten sich hier als Tourenleiter-Aspiranten. Der Gletscher war unten steil und oben war es aufgrund vom Bergschrund nicht ganz einfach ihn zu verlassen. Jonas und Damian haben aber sofort einen guten Weg gefunden, welcher uns sogar etwas unter dem Eis durchführte, sehr cool! Eine kurze Kraxelei, ein Gehen über Schotter sowie nochmals eine kurze Andacht an Jonas Friend später, kamen wir auf dem Gipfel des Geltenhorn’s auf 3'065 m.ü.m. an. Die Aussicht war fantastisch, wir hatten kaum Wolken! Während einige mehr den Ausblick ins Unterwallis genossen, spiegelten andere lieber ins Berner Oberland oder Richtung Jura oder Gantrischkette. Da einigen von uns wortwörtlich die Luft ausging aufgrund Erkältung, haben wir uns dafür entschieden, den Arpelistock auszulassen und direkt den Abstieg zu machen.

Über das sogenannte «Ghüder-Gländ» nahmen wir uns dem steinigen Abstieg Richtung Hütte an. Auf dem Weg haben wir immer wieder schönes Gestein angetroffen, wobei einige von uns sogar kleine Kristalle mit nach Hause nahmen. Unterhalb des Gletschers führte uns derselbe Weg wieder zurück zur Hütte. Der ganze Abstieg passierte ohne Seil und schnee-/eisfrei. Bei der Hütte gab es erneut Kaffee & Kuchen zur Stärkung für Jonas «Lieblingspart»: der Hüttenabstieg. Da die Temperaturen bereits wieder gestiegen sind, waren wir froh um einige schattige Abschnitte sowie Füsse baden im kalten Gältebach. Jonas war froh, den früheren Bus zu nehmen, weshalb er die «Hinteren» hervornahm. Als wir restlichen fünf ein paar Minuten nach Abfahrt vom Poschi bei der Haltestelle Lauenensee ankamen, verstanden wir nicht, weshalb so viele Leute noch dastanden. Wir liessen uns erklären, dass es einen riesigen Ansturm auf das Poschi gab, dass nur stündlich fährt und der Poschichauffeur nur genau 28 Personen mitnahm. Uns ist bis heute ein Rätsel, wie Jonas es geschafft hat, dort einen Platz zu finden. Da uns die Diskussionen mit dem Poschichauffeur zu mühsam waren, entschieden wir kurzerhand per Autostopp nach Gstaad zu reisen, was wunderbar und weit vor dem nächsten Poschi funktionierte. Einen Marsch durch die Promenade von Gstaad (wo wir uns etwas fehl am Platz fühlten) und ein Glace später, nahmen wir den Golden-Express Zug direkt nach Spiez, wo uns dann Anna verliess. Unterwegs gab es guter Gstaader Bergkäse für alle. Der Rest der Gruppe fuhr zusammen via Thun nach Hause. Im Zug liessen wir es uns aber nicht nehmen, Nina’s Elternhaus in Därstetten zu begutachen mit den schönen pinken Geranien (gäu Nina?). Wir waren etwas enttäuscht zu erfahren, dass dieses Haus kein so schöner Name hat wie Damian’s Zuhause namens Chalet Rösli.

Dies war ein weiteres rundum sehr schönes Wochenende mit dem SAC Gantrisch bei den «randständigen Berner Oberländer» mit viel Laaatsche, Lacher und Luscht uf meh! Merci viu mau Jonas und Damian für ds Leite und Anna, Nina und Selina für ds Mitcho. Caroline