Tourenprogramm

Aiguilles de la Lé - Ersatztour Nünenen

Nüneneflue statt Aiguilles de la Lé

Ihr kennt das ja alle: Als vorfreudiger Tourenteilnehmer verfolgt man die Wetterprognose fürs kommende Wochenende auch selbst intensiv. Anders als wie so oft in den vergangenen Monaten hat sich die prognostizierte Gewittertendenz aber diesmal nicht in Nichts aufgelöst, sondern wurde von Tag zu Tag deutlicher bestätigt. Es dürfte also eng werden mit dem geplanten Unterfangen, die luftigen Gneis-Zacken der Aiguilles de la Lé oberhalb der Cabane de Moiry, zu überklettern. Ich schreibe die Tour gedanklich also bereits etwas ab, lege aber schon Mal ein paar Kletterutensilien und das Klettersteig-Set bereit: Wer weiss, vielleicht reichts ja für eine kürzere Ausweichtour hier in der Gegend.

Ein paar E-Mails und Telefonate später – Mätthu versucht alles, aber auch bei den Wettermachern in Züri lässt sich nichts mehr rausholen – ist die Befürchtung schliesslich Tatsache: Eine mehrstündige Anreise, nur um uns verschiffen zu lassen, ist natürlich nichts. Erfreulicherweise lassen sich jedoch alle fürs vorgeschlagene Alternativ-Programm – die Besteigung unserer Nüneneflue übers Gemschgrätli – begeistern. Zu meinem Erstaunen waren drei von uns (mich eingeschlossen) noch gar nie da oben, und mindestens bei einem ist die letzte Besteigung schon so lange her, dass die auch schon fast nicht mehr zählt 😉

Zügig und quatschend brechen wir auf Richtung Obernünene. Weniger zügig und weniger quatschend geht’s dann die steile Rinne hoch zum Einstieg, welchen wir schweissgebadet erreichen. Während die ersten Liter Wasser in den Gurgeln verschwinden, präsentiert uns Mätthu seinen Vorschlag zur Seilschaftsbildung: Während mit «Team Frauenpower» noch allen klar ist, wer gemeint ist, lässt «die mitde Büüch» aber durchaus Interpretationsspielraum zu. Oder meint er gar eine Viererseilschaft?

Die jüngeren Bäuche steigen schliesslich zuerst in die Route ein, gefolgt von Frauenpower und den älteren Bäuchen. Die meist ganz passable Felsqualität sorgt für eine positive Überraschung. Insbesondere in den etwas schwierigeren Stellen – für den Schwierigkeitsgrad oft herrlich luftig und steil – weiss der Fels mit Festigkeit und schönen Strukturen zu überzeugen. Nach den ersten drei Seillängen gibt es jedoch nur in der oberen Hälfte nochmals eine «richtige» Kletter-Länge. Dazwischen und dann bis zum Ausstieg ist’s weitestgehend gemütliches Kraxelgelände. Etwas, was man ja beim Anblick von unten so gar nicht erwarten würde.

Zu Ende ist die Tour am Ausstieg aber keineswegs. Über Grasstufen will der Vorgipfel erklommen werden, von welchem wir über eine kurze Abseilstelle die Scharte zwischen Vor- und Hauptgipfel erreichen. Jetzt trennen uns nur noch ein kurzes, luftiges Felsgrätchen und steiles, exponiertes Schrofengelände von der riesigen Gipfelantenne. Ganz genau, denn heute ziert den Gipfel nicht nur das mit unserem Sektionsnamen beschriftete Holzkreuz, sondern auch die Funkantenne eines Amateur-Funkers. «Summit to Summit» klärt er uns auf, heisst der Event, an welchem er gerade teilnimmt. Er hat seinen Plausch und quasselt unverständliche Dinge in diversen Sprachen ins Funkgerät, welches seine Message in die halbe Welt hinausträgt. Wir haben auch unseren Plausch und lauschen gespannt seinen Geschichten und Erklärungen über sein Hobby. Nach ausgiebiger Mittagsrast (welche nicht alle gleich intensiv essend verbringen) machen wir uns an den nochmals volle Konzentration erfordernden Abstieg. Über den luftigen Westgrat und einige kurze Felsstufen erreichen wir schnell die berüchtigte, leicht überhängende Abseilpiste. Zum Greifen nah erscheint der Leiterepass von hier, doch die sehr steilen und exponierten, teilweise felsdurchsetzten Grasflanken erlauben hier keinen Stolperer. Entsprechend vorsichtig und langsam begehen wir die Gratkante, auch stets bemüht keinesfalls Steine loszutreten, welche unweigerlich die direkt unter uns pausierenden Wanderer treffen würden.

Mit Erreichen des Leiterepass schliesslich ist wieder etwas Entspannung zugelassen. Den ganzen Klimbim im Rucksack verstaut geht’s jetzt flotten Schrittes der Alpwirtschaft entgegen, von wo bereits ein herrlicher Fondue-Duft zu vernehmen ist. Was gibt’s Besseres, als nach einer Klettertour Mitte August mit genau so einem Fondue den Winter einzuläuten? Vermutlich das eine oder andere, was erklären könnte, weshalb sich nur zwei von uns für diese Idee begeistern können. Aber man kann niemand zu seinem Glück zwingen, geschmeckt hat’s auf jeden Fall hervorragend!

Danke Mätthu für das gelungene Ersatzprogramm und allen für den lässigen Tag! Mit dabei waren Lena & Sandra, Chrigu & Mätthu, Sändu & Role.